Interior Designer greifen wieder öfter in den Farbtopf
12.05.2010 – Über die Jahrhunderte hinweg haben sich zahlreiche Gelehrte mit dem Thema ‚Farbe’ beschäftigt. Darunter Leonardo da Vinci, dessen Farbenlehre noch vom unmittelbaren Sehen ausging, Isaac Newton, dem die Zerlegung des Lichts mit Hilfe eines Prismas gelang, und Johann Wolfgang von Goethe, der die Grundlagen der Farbpsychologie schuf.
Einen weiteren Ansatz verfolgt Designer Axel Venn. In seinem ‚Farbwörterbuch’, das seit Februar erhältlich ist, geht es um Farbe als Instrument des Ausdrucks. Mit Hilfe von 49 Probanden, die Stimmungsbilder anfertigten, übersetzte Venn 360 Adjektive wie ‚teuer’, ‚lieblich’ oder ‚paradiesisch’ in die Metasprache ‚Farbe’. Entstanden ist ein komplexes Nachschlagewerk für Designer, Gestalter und Innenarchitekten.
Doch abgesehen von den unterschiedlichen Herangehensweise, ist das Thema auch von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus äußerst umfangreich. Denn acht bis zehn Millionen Nuancen stehen dem Menschen – unter anderem für die Gestaltung seines Wohnumfelds – zur Verfügung. Allerdings nutzt er oft nur einen kleinen Bruchteil dieser Palette.
Venn, Professor für Farbgestaltung und Trendscouting an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, erklärt dieses Verhalten so: „Farbe ist ein Wagnis, denn mit ihr sagt man etwas über seine Seele aus.“
Die Anzahl derer, die, wie Venn es ausdrückt, Angst vor Buntheit haben, verringert sich jedoch zusehends. Mit bunten Wänden und knalligen Accessoires wie Gardinen und Kissen geben viele neuerdings ihren eigenen vier Wänden ein neues Aussehen und wagen das Statement über sich selbst. Für Innendesigner gilt, dass sie in den Farbtopf greifen dürfen.
(Bild: Axel Venn)
Klaus Michel, Professor für Innenarchitektur auf der Burg Giebichenstein, meint dazu: „Farbe versetzt Menschen in Schwingungen. Je großflächiger, umso stärker, und Innenarchitekten machen in den letzten Jahren davon regen Gebrauch.“
Dass der vermehrte Einsatz von Farben ein Trend ist, lässt sich nicht leugnen. Doch zu welchem Zeitpunkt welche Menge an ‚Buntheit’ ins Spiel kommt, ist eine andere Frage. Innenarchitektin Sibylle von Heyden sagt dazu: „In meinen ersten Entwürfen sind Farben noch kein Thema. Ich mache mich auch frei von Trends und Farbpsychologie, gehe vielmehr auf Räumlichkeiten, die Umgebung einer Immobilie und die Wünsche des Kunden ein.“ Die unterschiedlichen Herangehensweisen sind sicher individuell und je nach Projekt immer wieder verschieden. Wenn Michel aber sagt: „Farbe ist das Salz in der Innenarchitektursuppe“, so hat er aber mit Sicherheit nicht ganz unrecht.





